Pharma Privat: “AMNOG wie ein Blitz aus heiterem Himmel”
„Will die Regierung tatsächlich die Leistung von Apotheke und Großhandel in der Arzneimittelversorgung einschränken?“ fragt sich Hanns-Heinrich Kehr, Geschäftsführer von Pharma Privat besorgt, nachdem das Kabinett völlig überraschend einen Beschluss zur Neuordnung der Großhandelsvergütung gefasst hat. Nach den sehr fruchtbaren Gesprächen mit den Fachleuten aus Gesundheits- und Wirtschaftsministerien der letzten Wochen, trifft die Branche diese neue Vorgabe aus dem obersten Regierungsgremium wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
Offensichtlich will die Koalition in den sehr wettbewerbsintensiven Markt eingreifen und Preiszugeständnisse des Großhandels an die Apotheke „absaugen“ und den Krankenkassen zusprechen. Die gefundene Regelung geht aber weit über ein erträgliches Maß für Großhandel und Apotheke hinaus und beansprucht auch Rabatte an Apotheken für Produkte, die gar nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. „Wir verlieren so die Möglichkeit, durch Funktionsrabatte rationelles Bestellverhalten von Apotheken zu honorieren. Es werden auch Funktionsrabatte aus Sortimentsteilen abgeschöpft, die abseits der Krankenkassenerstattung in unseren Häusern gehandelt werden“ sagt der selbständige Unternehmer Kehr.
Hatte man noch vor nicht mal einem Jahr die Einbeziehung des Großhandels in den öffentlichen Versorgungsauftrag gesetzlich geregelt, um die schnelle Verfügbarkeit aller Medikamente im Sinne der Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, so entzieht man der Branche nun durch die Vorgabe der Regierung die wirtschaftliche Basis, diesen Auftrag zu erfüllen. „Es kann doch nicht sein, dass wir ein € 8.000,- teures Krebsmedikament, das in Kühlkette geliefert werden muss, für eine Brutto-Marge von € 21,- statt bisher € 72,- einkaufen, lagern, ausliefern und noch 6 Wochen vorfinanzieren sollen. Schon die Kapitalkosten fressen die Spanne mehr als auf. Und man wird sicher auch weiterhin von uns eine Überwachung der Fälschungssicherheit und eine saubere Dokumentation der Retourenabwicklung erwarten – ohne weitere Vergütung. Das ist nicht darzustellen.“ Dieses Beispiel zeigt, welch fatale Folgen eine holzschnittartige Betrachtung einer komplexen Branche nach sich ziehen muss.
Wir setzen nun darauf, dass wir die Gelegenheit bekommen, unseren Sachverstand in eine gesetzliche Neuregelung der Spanne mit einbringen zu können und wollen das nun beginnende Gesetzgebungsverfahren nutzen, um Politiker wie auch die entsprechenden Mitarbeiter in den Ministerien über die Folgen ihres Werks aufklären. Von uns aus wird alles geschehen, damit die gute Versorgungsqualität durch Großhandel und Apotheke in Deutschland erhalten bleibt. Da sitzen wir mit unseren Apothekenkunden im selben Boot. Die Patienten werden es danken!
Am 27. Oktober 2010 um 10:03 Uhr
[…] Mehrere Zeitungen berichten es gleichlautend - es gibt wohl eine Einigung im Dauerstreit um die Großhandelsvergütung im Zuge des AMNOG. Wie Jens Spahn es auf dem Apothekertag in München schon angedeutet hatte, die massiven Diskussionen um die falschen Berechnungen der neuen Preisspannenverordnung haben Wirkung gezeigt: Die neue Regelung soll nun eine Festschreibung des GKV-Rabattes auf 2 EURO und einer Kürzung der Großhandelsmarge auf 3,4 Prozent und 70 Cent beinhalten. Damit wäre auch ein Einsparpaket in Höhe von 350 Mio. EURo auf den Handelsstufen zu realisieren - dies war immer Ziel der Regierung. […]