Ist der Ruf einmal ruiniert….
….wie lebt man da weiter?
Die DocMorris Übernahme hat sich ja inzwischen zu einem Problem für die Celesio/GEHE entwickelt:
- Das lang ersehnte Urteil des EuGH wird, wie von vielen Kennern geschätzt, bestenfalls 2008 erwartet. Man kann somit davon ausgehen, dass es in dieser Legislaturperiode zu keinen wesentlichen Änderungen des Apothekengesetzes kommen wird.
- Der doch recht massive Versuch die Abgeordneten positiv zu stimmen, (Studienreise nach Norwegen und England, Gespräche mit Ministerpräsident Müller etc.) wird von vielen Seiten im Bundestag äußerst kritisch gesehen, so leicht geht es nun doch nicht.
- Es gibt einige Apotheken, die gerade nach der DocMorris Übernahme durch die GEHE nicht mehr DocMorris-Partner werden wollen. Dies kann durch die vielen “abhängigen” Apotheken aus den bestehenden Kunden der GEHE nicht ausgeglichen werden.
- Die offenen Drohungen überforderter GEHE AD Mitarbeiter an wechselwillige Apotheken haben sich rumgesprochen, was zu einer dauerhafteren Verärgerung bei bestehenden Kunden führt und auch sehr nachhaltig wirkt. Auch Herr Däinghaus meinte auf der EUROFORUM Konferenz am 22. Mai “Kommen Sie zu uns, sonst werden wir ihr Nachbar”. Dies kann man sagen und findet es vielleicht auch noch lustig, wenn man alleine ist und sowieso alle gegen sich hat - nicht so lustig ist es für den Rest des Marktes und sicherlich ungeschickt, wenn man auf einem Markt Kooperations -partner sucht.
- Es werden wohl 800 - 1.000 Mio. Jahresumsatz der GEHE dauerhaft verloren sein, darüber hinaus muss auch für den bestehenden Apothekenkunden mehr gezahlt werden, quasi eine “Halteprämie”. Der Verlust von mindestens 50 Mio. Deckungsbeitrag ist für Celesio zwar locker auszuhalten, eine Firma aber, die von sich überzeugt ist, weil die letzten 15 Jahre immer mehr Geld verdient wurde als im Jahr davor, mag solche Kratzer nicht.
Nun, wir stehen also vor einigen Scherben - was könnte die Celesio Strategie sein?
1. Kundengewinnung
Soweit die Informationen aus dem Markt richtig sind, wird die GEHE von vielen Nichtkunden garnicht erst vorgelassen. Dazu ist der Markt sowieso auf einem Höhepunkt, was die Erlösschmälerung angeht! Eine Neukundengwinnung in diesen Umsatzgrößen ist in diesem Markt völlig unrealistisch. Auch der Hinweis, dass in zwei bis fünf Jahren die Umsatzdelle wieder ausgemerzt sein wird, kann man durchaus als positive Prognose sehen.
2. Aufkauf von Marktanteilen
Einen anderen pharmazeutichen Großhandel zu übernehmen, um den alten Marktanteil wieder zu erreichen, wird schwierig sein, da die Besitzverhältnisse in Deutschland doch recht eindeutig sind. Auch die mittelständischen Großhandlungen werden nicht gerade mal so zur Verfügung stehen, zumal nur zwei Betriebe in etwa einen solchen Martkanteil haben, den die GEHE gerade verliert.
3. Fee for Service
Pfizer sucht in dem wichtigsten pharmazeutischen Markt Europas noch einen Partner, um endlich den langen Kampf um das Fee for Service Modell durchzusetzen, bzw. nur noch einen Logistikpartner in einem Land zu haben. Das Modell ist gerade in England angelaufen und sichert der dortigen AllianceBoots einen guten Umsatz und Ertrag.
Dies würde einen ganz wesentlichen Teil des Umsatz- und Ertragsverlustes der Celesio ausgleichen? Der Markt munkelt von einer großen Nachricht im dritten Quartal aus dem Hause Celesio….und an gemeinsame Pressekonferenzen mit neuen Partnern ist man nun ja gewöhnt!
Es bleibt spannend!